Filmkritik: Mary Poppins' Rückkehr

Filmkritik: Mary Poppins Rückkehr

Mit “Mary Poppins’ Rückehr” wird die Geschichte der einst ungezogenen Banks Kinder fort erzählt. Doch handelt es sich bei dem Familienfilm wirklich um einen zweiten Teil oder nicht vielmehr um ein Remake? Viele bekannte Elemente neu interpretiert sprechen eher für zweiteres…

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Die Handlung von “Mary Poppins’ Rückkehr”

London in den 1930er Jahren, mitten in der Wirtschaftskrise: Michael Banks (Ben Whishaw) ist inzwischen erwachsen geworden und arbeitet für die Bank, bei der auch schon sein Vater angestellt war. Er lebt noch immer in der Cherry Tree Lane 17 mit seinen mittlerweile drei Kindern – Annabel (Pixie Davies), Georgie (Joel Dawson) und John (Nathanael Saleh) und der Haushälterin Ellen (Julie Walters). Seine Schwester Jane Banks (Emily Mortimer) tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und setzt sich für die Rechte der Arbeiter ein. Zusätzlich hilft sie Michaels Familie wo sie kann. Als sie einen persönlichen Verlust erleiden, tritt Mary Poppins (Emily Blunt) auf magische Weise wieder in das Leben der Familie Banks und mit Hilfe ihres Freundes Jack (Lin-Manuel Miranda) kann sie die Freude und das Staunen zurück in ihr Zuhause bringen.

Mary Poppins' Rückkehr ab 20. Dezember im Kino

Mein Fazit

Farbenfroh, laut trällernd, lehrreich und voller Tanzeinlagen – so kennen und lieben wir unser Mary Poppins. Und so bekommen wir sie auch erneut präsentiert. Emily Blunt (“A Quiet Place”, 2018) tritt voller Anmut Julie Andrews’ Erbe an und lässt Mary Poppins so neu erblühen, ohne sie zu imitieren. Doch handelt es sich bei “Mary Poppins’s Rückkehr” wirklich um eine Fortsetzung oder nicht durch vielmehr um ein Remake?

Fortsetzung oder Remake?

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Familienfilm um eine Fortsetzung der Geschichte, die uns bereits 1965 (oder in meinem Fall seit schätzungsweise 1994) in ihren Bann gezogen hat. Die Banks Kinder sind erwachsenen geworden und sind von neuen Problemen geplagt. Dabei kommen die Kinder des Witwer Michaels leider zu kurz – ein Job für Mary Poppins, die natürlich nicht nur bei der Kindererziehung hilft. Okay, wir setzen also an der altbekannten Geschichte an, entdecken vertraute Elemente wie die Holzbauklötze im Hintergrund auf dem Dachboden wieder und auch der geliebte grüne Drachen scheint eine prägende Rolle zu spielen. Wir fühlen uns wieder in die fantastische Welt der Mary Poppins angekommen. Doch das Vertraute gewinnt nach und nach Überhand. “Mary Poppins’ Rückkehr” nimmt viel zu viele Szenen aus dem ersten Teil wieder auf, verpackt sie nur ein wenig anders. Sei es die Schornsteinfeger, die jetzt Laternenanzünder sind, oder das Eintauchen in eine Zeichentrickwelt – dieses Mal über eine angebrochene Vase anstatt über ein Kreidegemälde. Das wirkt alles zu vertraut. Zu nachgemacht. Als sei es eben ein Remake und keine Fortsetzung. Das ist wirklich schadet und verschenkt extrem viel Potenzial.

Mary Poppins' Rückkehr
© 2018 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

“Superkalifragilistischexpialigetisch”

Egal, wann ich das letzte Mal “Mary Poppins” gesehen und den Liedern gelauscht habe, bei “Superkalifragilistischexpialigetisch” bin ich sofort dabei und fange sofort im Takt zu wippen. Die Lieder von “Mary Poppins’ Rückkehr” hingegen sind alles andere als Ohrwürmer. Kaum ist ein Lied verklungen, schon habe ich es wieder vergessen. Dies liegt vielleicht nicht zuletzt daran, dass sie extrem lehrreich sein wollen. Dabei sind die Texte so vollgestopft, dass es kaum möglich ist auch nur wenige Fetzen davon beim ersten Hören zu behalten.

Mary Poppins' Rückkehr
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Deutsche Synchronisation

Als Filmblogger habe ich ja die große Ehre und das noch größere Vergnügen die meisten Filme schon vorab in der Originalversion zu sehen. Aus diesem Grund kann ich häufig nichts zu der Synchronisation sagen, die jedoch oft maßgeblich für die Qualität der Filme ist. Die Stimme und die Art zu sprechen kann einer Figur einen ganz anderen Charakter verleihen. Mein liebste Beispiel dafür ist Newt Scamander in den Phantastische Tierwesen-Teilen. Eddie Redmayne zeichnet einen geradezu schüchternen Einsiedler, der nur nach und nach mit den Menschen in seiner nächsten Nähe warm wird. Hört man Scamanders deutsche Stimme wirkt er plötzlich viel charismatischer und extrovertierte. Wirklich hört und seht euch mal den Vergleich an. Für mich persönlich ein Skandal! Aber zurück zu “Mary Poppins’ Rückkehr”, den ich in Deutsch gesehen habe. Kurz gesagt: Hier ist auch einiges in der Synchronisation schief gegangen. Wer den ein oder anderen Film mit Emily Blunt auf Deutsch gesehen hat, der ist bereits mit ihrer Sprechstimme vertraut, die auch wirklich gut gewählt ist und zu der Schauspielerin passt. Doch die Gesangsstimme ist ein absolutes No-Go. Diese passt weder zu der deutschen Sprechstimme noch zu Blunt. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Synchronisation von Jack. Der Wechsel zwischen Sprache und Gesang ist mir ein wirklicher Graus…

Mary Poppins' Rückkehr
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Emily Blunt ist Mary Poppins

Davon abgesehen macht Blunt jedoch einen ausgesprochen guten Job. Blunt gelingt es eine neue Mary Poppins zu zeichnen, die zwar sehr an die Interpretation von Andrews erinnert aber eben keine Kopie ist. Durch ihre zauberhafte Art verprüht Blunt Poppins’ Magie und lässt die Banks Kinder und den Zuschauer (erneut) in diese fantastische Welt eintauchen. Im Original singt Blunt außerdem die Titel selbst und überzeugt wieder einmal mit ihrem Talent.

Mary Poppins' Rückkehr
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Ein farbenfrohes Musical

Viel Gemecker, nichts dahinter!? Sagen wir so: Ich persönlich als riesiger “Marry Poppins”-Fan bin etwas enttäuscht von der Fortsetzung – eben, weil es eine Fortsetzung sein möchte. Als Remake würde ich sagen, dass das Musical durchaus gelangen ist, wobei das Manko der wenig eingängigen Lieder bleibt. Trotzdem gelingt es dem Film die Magie von Mary Poppins zu versprühen. Dies liegt zum einen an den durchweg guten schauspielerischen Leistungen der Darsteller und zum anderen an den wundervollen Bildern, die mit viel Liebe gestaltet und eingefangen wurden. Gerade Kinder, die bisher nicht mit dem Film von 1965 in Berührung gekommen sind, werden sich sicherlich an dem Musical erfreuen.

“Marry Poppins Rückkehr” ab 20. Dezember 2018 im Kino.

One comment

  1. b
    Birgit

    Vielen Dank für Deine ehrliche Kritik, Jil! 🙂

    Liebe Grüße,
    Birgit

    PS: Wünscht Du Dir, dass Mary heiratet? Wurde so aus Mary gleich zweimal marry? 😉

    Antworten

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