Filmkritik: Das Familienfoto

Filmkritik:
Das Familienfoto

Der Komödie “Das Familienfoto” gelingt es ein ernstes Thema mit einer gewissen Leichtigkeit zu behandelt und strotzt nur vor franzözischen Charme. Nah am Leben gehalten, wirkt er aber dennoch etwas zu stark problembeladen.

3 von 5 Popcorntüten

Die drei Geschwister Gabrielle (Vanessa Paradis), Elsa (Camille Cottin) und Mao (Pierre Deladonchamps) könnten unterschiedlicher kaum sein: Gabrielle arbeitet als „lebende Statue“ in Paris und ist ihrem Sohn viel zu unkonventionell. Elsa hadert mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Und der Spieleentwickler Mao ist trotz beruflichen Erfolgs noch gar nicht richtig im Leben angekommen. Da haben ihre getrennt lebenden Eltern ganze Arbeit geleistet. Der Vater (Jean-Pierre Bacri) war nie da, die Mutter (Chantal Lauby), eine Psychotherapeutin, mischte sich dagegen in alles ein. Und bis heute hat sich daran nichts geändert. Die normalste ist da noch die demente Großmutter (Claudette Walker). Als der Großvater stirbt, ist die in alle Winde verstreute Familie gezwungen, sich zusammen zu raufen. Allein kann die alte Dame nicht bleiben, wie aber sollen die Kinder und Enkel eine Lösung für sie finden, wenn schon in ihrem eigenen Leben das pure Chaos herrscht…?
Das Familienfoto ab 09. Mai 2019 im Kino

Mein Fazit

“Das Familienfoto” erzählt die Geschichte einer zerrütteten, dysfunktionalen Familie, die durch ein gemeinsames Ziel endlich wieder zueinander findet. Zwar ist der Tod des Großvaters der Grund, weshalb die Familien sich wieder an einem Ort versammelt, jedoch führt erst der letzte Wunsch der dementen Großmutter vor allem die Geschiwster wieder zusammen: Sie möchte in Saint Julien, ihrem Heimatort, sterben. Die Geschwister raufen sich daher zunächst zusammen, damit ihre geliebte Mamie nicht in ein Heim muss und möchten schließlich ihren Wunsch erfüllen.

Eine ganz normale Familie!?

Die Familie ist durch die frühe Trennung von Vater und Mutter stark geprägt und gezeichnet. Die Geschwister sind getrennt voneinander aufgewachsen. Während die Schwestern bei dem Vater aufwuchsen, ist Mao als einziger Junge bei seiner Mutter groß geworden. Während die Mädchen sich mit immer neuen Stiefmüttern anfreunden mussten, hat sich Mao durch seine Mutter, die als Psychologin tätig ist, stets unter Druck gesetzt gefühlt. Ihren Wohlfühlort haben die Geschwister schließlich bei ihrer Großmutter in Saint Julien gefunden. Dies wird ihnen doch erst jetzt, Jahre später bewusst. Das Gefühl der Ablehnung und Zerrissenheit begleitet die Geschwister ihr ganzes Leben lang und so hat jeder von ihnen ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Die Probleme des Einzelnen erscheinen für den Zuschauer nachvollziehbar, weshalb sie mit ihnen mitfühlen und eine gewisse Nähe aufbauen können. Das Gesamtpaket wirkt dann aber doch etwas zu theatralisch, wodurch es insgesamt doch wieder inszeniert wirkt. Im Einzelnen betrachtet, wirken die Geschichten der Personen also glaubwürdig, im Ganzen ist es dann aber doch etwas zu viel des Guten (oder eben des Schlechten).

Das Familienfoto
© 2019 Alamodefilm. Alle Rechte vorbehalten.

Große Gefühle – aber geerdet

Wer in all dem Chaos und den Schicksalsschlägen große emotionale Ausbrüche erwartet, kann in “Das Familienfoto” lange darauf warten. Die Figuren sind gefasst, erwachsen und eben genauso gezeichnet. Dennoch strotzt der Film vor Gefühlen, die sich, eben gerade weil die Charaktere so geerdet sind, sehr echt anfühlen. An der ein oder anderen Stelle hätte dennoch etwas mehr offenkundiges Drama dem Unterhaltungswert deutlich gesteigert.

© 2019 Alamodefilm. Alle Rechte vorbehalten.

Vive la France

Die Produktion von Drehbuchautorin und Regisseurin Cécilia Rouaud (“Je me suis fait tout petit”, 2012) sprüht förmlich vor französischen Charme – beginnend bei der Topbesetzung von Vanessa Paradis (“Messer im Herz”, 2018) und Camille Cottin (“Allied – Vertraute Fremde”, 2016), über das wundervolle Setting bis hin zur Mentalität der Charaktere. Der Look von “Das Familienfoto” unterstreicht dies weiter, sodass sich ein sehr schönes Gesamtbild ergibt, das den Zuschauer in Frankreich eintauchen lässt.

Leichte Komödie mit ernstem Hintergrund

“Das Familienfoto” ist eine liebevoll gestaltete Komödie, die verspielt und dennoch aufrichtig und respektvoll mit einem schwierigen Thema umzugehen weiß. Obwohl der Film mit einer Spielzeit von nur 98 Minuten recht kurz ist, werden die vielen Figuren ausreichend betrachtet und vorgestellt, sodass der Zuschauer eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. Selbst Nebenerzählstränge werden sinnhaft auserzählt, wodurch eine stimmige Gesamthandlung entsteht. Wenngleich “Das Familienfoto” nah am wahren Leben stehen soll, wirkt er insgesamt dennoch etwas zu überladen, wodurch er an Authentizität verliert. Der französische Charme, der einem auf vielen Ebenen begegnet, rundet den Film jedoch so gut ab, dass er wunderbar der seichten Unterhaltung dient.

“Das Familienfoto” ab 16. Mai 2019 im Kino.

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