Filmkritik: Rocketman

Filmkritik: Rocketman

“Rocketman” – das fantasiereiche Rock-Musical über den einzig wahren Elton John überzeugt auf ganzer Linie. Hauptdarsteller Taron Egerton begeistert mit seiner authentischen Performance und seiner musikalischen Glanzleisten genauso, wie die einzigartige Inszenierung von Regiesseur Dexter Fletscher. Ein absolutes Must-See!

5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung von “Rocketman”

Mitte der 1960er-Jahre: Reginald Dwight (Taron Egerton) ist ein ganz normaler Junge in einem Vorort von London, ein bisschen dick, viel zu schüchtern – nur am Klavier fühlt er sich wirklich wohl. Doch als er nach London kommt, kann er endlich seine wahre Leidenschaft ausleben: den Rock ’n’ Roll. Er trifft den Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) und erregt schnell Aufmerksamkeit in der Londoner Szene. Nur der Name passt noch nicht: Erst als Reginald sich in Elton John umbenennt, steht seinem raketengleichen Aufstieg nichts mehr im Weg, denn auf der Bühne verwandelt sich der schüchterne Reggie in einen außergewöhnlichen Rocksänger. In kürzester Zeit schießt Elton John ganz nach oben in die Charts, schreibt einen Nummer-eins-Hit nach dem anderen und trägt immer wildere Kostüme und Brillen. Doch wer steil aufsteigt, kann auch tief fallen, und Elton John ist klar, dass er nicht auf ewig ein Rocketman sein kann.

Rocketman ab 30. Mai 2019 im Kino

Mein Fazit

Brilliant! “Rocketman” ist ein wundervoll fantasiereiches Rock-Musical, das die überraschend nackte Geschichte einer der bedeutesten Musiker unserer Zeit erzählt. Wer Elton Johns Geschichte bereits kennt, seine Reise an die Spitze genauso begleitet hat, wie seinen tiefen Fall, der mag hier wahrscheinlich wenige Überraschungen erleben. Für die Youngster unter uns, die John nur als großartigen Künstler, der uns Titel wie “Candle in the Wind” oder “Can You Feel The Love Tonight” geschenkt hat, und als öffentlich bekennenden Homosexuellen kennt, für den hält “Rocketman” auch noch eine gleichsam spannende, als auch größtenteils traurige Geschichte parat.

Vom schüchternen Jungen zu Elton John

Das Portrait über Elton John zeigt nämlich nicht nur den Aufstieg Johns zu einem der größten Künstler der Welt, sondern auch seine düsteren Momente. Von seinem Vater verschmäht und seiner Mutter allenfalls gedudeld, findet John durch seine Musik zu sich, ohne jedoch er selbst sein zu dürfen. Dieses Schicksal bringt Regisseur Dexter Fletcher (“Eddie the Eagle – Alles ist möglich”, 2015) gleichsam unterhaltend als auch emotional ergreifend auf die große Leinwand. Im Zusammenspiel mit dem wirklich starken Drehbuch von Lee Hall (“Victoria & Abdul“, 2017), dass sich auf die wirklich wichtigen Momente in Johns Leben konzentriert, und die Bilder von George Richmond (“Mission: Impossible – Rogue Nation”, 2015) sowie dem gesamten Production Design, Special Effects, Settings, Make Up und Kostüm wurde hier ein wirkliches Meisterwerk geschaffen. Dem ein oder anderen mag der Musicaltouch oder die kleinen Fantasieausflüge vielleicht etwas zu viel sein, jedoch greift alles so perfekt ineinander, dass gerade diese Besonderheiten “Rocketman” so einzigartig machen.

Rocketman
© 2018 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Taron Egerton ist Elton John

Für mich als Filmliebhaber gibt es persönlich kaum etwas schöneres, als wenn die Erwartungen an einen Film und an einen Darsteller erfüllt oder sie sogar übertroffen werden. Wie ihr bestimmt schon wisst, bin ich seit “Kingsman” ein großer Fan von Taron Egerton (“Robin Hood“, 2018) und auch spätestens seit “Sing” ein schwärmerischer Anhänger seiner Stimme. Egerton mag vielleicht nicht ganz an die kraftvolle Stimme von John herankommen, jedoch beweist Egerton, dass er ein mehr als würdiger Darsteller Johns ist – und dass sowohl schauspielerisch als auch musikalisch. Egerton hat alle Titel – übrigens ein geniale Songauswahl – selbst eingesungen und sein Talent bereits live mit John zusammen auf der Bühne präsentiert. Der Druck, der dabei auf Egerton lag, muss wirklich immens gewesen sein. Aber, was soll ich sagen? Egerton überzeugt in voller Linie. Dabei ist es schon fast ein wenig gruselig, wie die Funken zwischen Egerton und Richard Madden (“Game of Thrones”, 2011-2013), der Johns Manager und Liebhaber John Reid im Film verkörpert, fliegen. Egerton hat in “Rocketman” volles Commitment gezeigt und John mehr als würdig portraitiert. Und auch die zwei talentierten Jungdarsteller Matthew Illesley und Kit Connor (“Ready Player One“, 2018), die John in seiner Kindheit und Jugend darstellen, steuern zu der Glaubwürdigkeit des Films bei.

Rocketman
© 2018 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Auf der Suche nach Liebe

Geschichten wie die von Elton John führen uns wieder einmal vor Augen, dass wir auch heute noch in einer Welt voller Intolleranz leben. Vielleicht sind wir inzwischen in der Lage zwei Schritte vor zu gehen, machen aber doch gleichzeitig wieder einen zurück. Was das mit dem Individuum machen kann, zeigt uns der schüchterne, kleine Junge namens Reginald Dwight, der nichts sehnlichster suchte, als die Liebe. Die Liebe zu sich selbst sowie die Liebe zu und von anderen. Nach “Rocketman” fühlt sich das Publikum dem Künstler so viel näher, dass es mit dem Gedanken daran, dass John heute glücklich verheiratet, Familienvater und trocken ist, mit wahrer Freude erfüllt – zumindest erging es mir so.

Rocketman
© 2018 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

So nah wie noch nie

Denn vermutlich war man John noch nie so nah wie in “Rocketman”. Das Portrait berührt, begeistert und fasziniert. Spätestens mit dem ersten Auftritt des jungen Johns, der damals noch auf Reggie gehört, baut man zu ihm eine persönliche Beziehung auf. Denn nicht nur Egerton gelingt es einen authentischen John zu mimen, sondern auch Illesley und Connor. Eine ergreifend ehrliche und facettenreiche Geschichte, die durch ein optisches und musikalisches Feuerwerk getragen wird. Ein absolutes Muss für jeden Elton John-Fan und für die, die es noch werden wollen.

“Rocketman” ab 30. Mai 2019 im Kino.

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