Filmkritik: Drei Schritte zu Dir

Filmkritik: Drei Schritte zu Dir

“Drei Schritte zu Dir” von Justin Baldoni erzählt die Liebesgeschichte zweier Teenager, die an Mukoviszidose erkrankt sind. Mit viel Einfühlsamkeit und Authentizität bringt der Regisseur die Krankheit einem großen Publikum näher. Ein Film, der unterhält und ans Herz geht.

4 von 5 Popcorntüten

Die Handlung von “Drei Schritte zu Dir”

Stella (Haley Lu Richardson) ist eine 17- Jährige, wie sie im Buche steht: Ihr Smartphone gibt sie nicht aus der Hand und am liebsten chattet sie mit ihren Freunden. Nur Platz zum Träumen bleibt ihr nicht, denn anders als normale Teenager, verbringt sie die meiste Zeit unter strenger Beobachtung im Krankenhaus. Stella leidet an der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose und ihre wichtigste Regel lautet: Komm keinem Mitpatienten näher als vier Schritte, denn er könnte dich mit seinen Bakterien schwächen und schlimmstenfalls töten.

Als sie aber dem charmanten Will (Cole Sprouse) begegnet, der immer wieder gegen seine Behandlung rebelliert, knistert es so sehr zwischen ihnen, dass es Stella zunehmend schwerer fällt, den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einzuhalten. Mit ihr an seiner Seite lässt sich Will scheinbar wieder aufs Leben ein, auch wenn die unsichtbare Wand zwischen ihnen ihrer Versuchung kaum standhält. Wie kann Stella ihre Liebe noch retten, wenn schon die kleinste Berührung beide in Lebensgefahr bringen würde?

Drei Schritte zu Dir ab 20. Juni 2019 im Kino

Mein Fazit

“Drei Schritte zu Dir” von Justin Baldoni (“My Last Days”, 2016-2018) erzählt die tragische Liebesgeschichte zweier Teenager, die vom Leben bereits schwer gezeichnet sind. Damit reiht sich das Drama in Filmen wie “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” (2014) oder “Vielleicht lieber morgen” (2012) ein. Obwohl das Prinzip der Geschichte somit bekannt ist, bringt die im Fokus stehende Krankheit natürlich wieder neue Komponenten mit sich, die genug Raum für Originalität lassen. Somit wirkt das Grundprinzip zwar vertraut, die Schicksale an sich sind jedoch unbekannt und herzergreifend.

Die Charaktere kennenlernen

Im Gegensatz zu anderen Charakteren, die man sofort ins Herz schließt, wie es zum Beispiel bei “Midnight Sun” (2018) der Fall ist, muss man in “Drei Schritte zu Dir” ertsmal mit den Figuren warm werden. Schließlich ist Stella mit ihrem Perfektionismus und ihrem Ordnungswahn nicht gerade ein unkomplizierter Mensch. Und auch Will ist mit seiner Nullbockeinstellung zu Beginn etwas unausstehlich. Doch genauso wie sich die Charaktere aneinander annähern, sympathisiert auch der Zuschauer mehr und mehr mit ihnen. Dabei passiert dies bei den zwei Hauptdarstellern auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Während man bei Haley Lu Richardson (“Split“, 2016) als Stella mehr durch ihre Lebensgeschichte beeinflusst wird, sorgt bei Will eher der Charme von Cole Sprouse (“Riverdale”, 2017-2019) für das Gefühl der Nähe und Verbundenheit.

Drei Schritte zu Dir
© 2019 Universal Pictures International. All Rights Reserved.

Die Vier-Schritte-Regel

Im Film wird die ganze Zeit von vier Schritten Abstand zum nächsten Patienten gesprochen. Da fragt man sich, ob bei der Übersetzung des Titels und der Texte etwas falsch gelaufen ist. Aber wartet ab, irgendwann ergibt alles einen Sinn. Aber was wäre eine Regel, wenn nicht jemand dafür sorgen würde, das diese auch eingehalten wird. Weiß man doch, wie eigensinnig Teenager sein können. An dieser Stelle kommen die vielen Nebendarsteller in den Fokus, die eine wahre Bereicherung für das Romantikdrama sind. Allen voran ist hier Kimberly Hebert Gregory (“Kevin (Probably) Saves the World”, 2016-2017) zu nennen, die als besorgte, strenge und gleichzeitig liebreizende Barb den Figuren und den Zuschauern immer wieder bewusst macht, wie ernsthaft die Krankheit Mukoviszidose ist. Aber auch ohne Moises Arias (“Ben-Hur“, 2016) als Stellas bester Freund Poe oder Emily Baldoni (“Snapshots”, 2018) als Schwester Julie würde dem Film etwas fehlen. Damit gelingt es “Drei Schritte zu Dir” jeder einzelnen Figur einen wichtigen Part zuzuschreiben, der die gesamte Geschichte trägt und wundervoll abrundet.

Drei Schritte zu Dir
© 2018 Alfonso Bresciani

Leben mit Mukoviszidose

Besonders schön an solchen Filmen ist, dass sie einem auf eine besondere Art und Weise Krankheiten näher bringt, mit denen man sich im Alltag sonst nicht beschäftigt. Zystische Fibrose (ZF) bzw. Mukoviszidose ist eine lebensbedrohliche Erbkrankheit, die dafür sorgt, dass der Körper der Betroffenden unaufhörsam dickflüssigen, klebrigen Schleim in Lungen, Bauchspeicheldrüse und anderen Organen produziert. Dies erschwert das Atmen. Menschen mit ZF müssen daher täglich aufwendige Behandlungen über sich ergehen lassen und Medikamente einnehmen. Was das für die Patienten bedeutet, aber auch welche Fortschritte die heutige Medizin bereits gemacht hat, wird einem durch “Drei Schritte zu Dir” anschaulich und einfühlsam gezeigt.

Drei Schritte zu Dir
© 2019 Universal Pictures International. All Rights Reserved.

Ein Schicksal

“Drei Schritte zu Dir” ist ein spannendes, lehrreiches und ans Herz gehendes Drama mit herausragenden Darstellern und einer authentischen Anmutung. Durch seinen modernen Ansatz kommt er bei der Zielgruppe an und sollte selbst ein etwas älteres Publikum abholen können. Schade ist, dass der Ausgang wenig überraschend ist. Wobei die Alternative wahrscheinlich auch nicht gut bei den Zuschauern ankommen würde. Dennoch wäre hier Potenzial gewesen, sich von ähnlichen Filmen abzusetzen. Nichtsdestotrotz ist “Drei Schritte zu Dir” definitiv einen Kinobesuch wert.

“Drei Schritte zu Dir” ab 20. Juni 2019 im Kino.

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