Filmkritik: Der König der Löwen

Filmkritik: Der König der Löwen

Mit beeindruckenden fotorealistischen CGI-Bildern stürmt “Der König der Löwen” zurück auf die große Leinwand. Dabei hält sich Jon Favreaus Version des Klassikers sehr nah an das Original – vielleicht etwas zu nah…

4 von 5 Popcorntüten

Die Handlung von “Der König der Löwen”

In den unendlichen Weiten Afrikas wird ein künftiger König geboren: Simba, das lebhafte Löwenjunge, vergöttert seinen Vater, König Mufasa, und kann es kaum erwarten, selbst König zu werden. Doch sein Onkel Scar hegt eigene Pläne den Thron zu besteigen und zwingt Simba das Königreich zu verlassen und ins Exil zu gehen. Mit Hilfe eines ausgelassenen Erdmännchens namens Timon und eines warmherzigen Warzenschweines namens Pumbaa, lernt Simba erwachsen zu werden, die Verantwortung anzunehmen und in das Land seines Vaters zurückzukehren, um seinen Platz auf dem Königsfelsen einzufordern.

Der König der Löwen ab 17. Juli im Kino

Mein Fazit

“Der König der Löwen” in High Definition. So könnte man die Neuauflage von Disneys Klassiker kurz und knapp zusammenfassen. Denn so wirklich etwas Neues bringt der Film nicht mit sich. Während bei “Dumbo” quasi ein zweiter Teil hinzugetextet wurde, basiert der Animationsfilm fast 1:1 auf seinem Vorgänger von 1994. Tatsächlich sind einzelne Bewegungsabläufe, bis hin zu ganzen Szenen “Der König der Löwen”-Liebhabern so vertraut, dass man denken könnte, das dafür der Zeichentrickfilm unter die Animationsfläche gelegt wurde. Apropos Animation: Die fotorealistische CGI-Technik ist überragend!

Sind das echte Tiere?

Mit modernster Computertechnik und -software wurden nicht nur beeindruckende afrikanische Landschaften kreiert, sondern auch die Tiere zum Leben erweckt. So überlegt man als Zuschauer tatsächlich, ob nicht die ein oder andere tatsächliche Tierfilmaufnahme in den Film integriert wurde. Besonders gut gelungen ist dabei, dass sich die Tiere sehr natürlich bewegen und auch ihre Sprechfähigkeit nicht zu vermenschlicht wurde. Entsprechend wurden auch fantasiereiche Szenen des Zeichentricksfilms realitätsgetreu angepasst. Dadurch wirken die animierten Tiere noch lebendiger und greifbarer. Allerdings gehen dabei ein paar Emotionen verloren. Man denke dabei an die dramatische Szene in der Schlucht in der Simba in Tränen ausbricht. Dies kann in diesem Maße die Neuauflage nicht bieten, wodurch der Zuschauer gelegentlich nicht so gepackt wird, wie im Original. Dennoch sind vor allem lustige Momente mit Timon und Pumbo sehr gut gelöst, sodass der Charme des Originals nicht verloren geht und auch einige neue witzige Momente und Dialoge hinzugekommen sind.

Der König der Löwen
© Disney

Der Soundtrack

Sobald die ersten Töne des Scores ertönen heißt es: Gänsehautalarm. Ich fühle mich zurückversetzt in mein vierjähriges Ich: Mein allererster Kinofilm – “Der König der Löwen”. Ich bekomme Pipi in den Augen und freue mich, die vertrauten Klänge zu hören. Dazu sei gesagt, dass ich die Neuauflage in Englisch und den Film von 1994 natürlich meistens auf Deutsch gesehen habe. Dennoch habe ich auch den Zeichentrickfilm schon ein-, zweimal auf Englisch gesehen, wodurch ich mit den alten Stimmen ein wenig vertraut bin. Natürlich habe ich auch den Soundtrack spätestens dank Spotify auf Englisch schon rauf und runter gehört. Über lange Strecken kann somit der neue Soundtrack mit den Originalaufnahmen mithalten. Doch spätestens bei “Can You Feel The Love Tonight” bricht die Qualität ab. Mit Beyoncé haben die Filmemacher hier auf einen Star gesetzt und damit den Musicalcharakter leider völlig vernachlässigt. Beyoncé setzt auf große Töne und Phrasierungen, singt Donald Glover (“Black Panther“, 2018) aka Simba völlig an die Wand und versaut – meiner Meinung nach – damit den Song auf ganzer Linie. Auch der nächste, neue Song, eine weitere Zulieferung der Sängerin, passt überhaupt nicht zu “Der König der Löwen” und macht damit endgültig die musikalische Untermalung zunichte. Natürlich ist nicht alles schlecht, aber früher war es einfach ein bisschen besser. Wie die ganze Geschichte auf Deutsch ausgeht, kann ich an dieser Stelle natürlich nicht einschätzen.

Der König der Löwen
© Disney

Original vs. Neuauflage

Wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich mir den Zeichentrickfilm von 1994 oder den Animationsfilm von 2019 angucke, dann würde ich mich im Zweifsfall für das Original entscheiden. Denn: Die Geschichte ist zu fast 100 % identisch, ich liebe diesen Film in seiner Synchronisation, mit seinen Liedern und seinen grellen bunten Farben und er ist für mich einfach eine gesetzte Größe in der Filmwelt. Dennoch hat auch die Neuauflage seine Vorzüge: Die Umsetzung ist einfach fantastisch, zeitgemäß und wahnsinnig beeindruckend. Zudem ist der Film an der ein oder anderen Stelle durch seine Fotorealität sehr düster und schon fast furchteinflößend, wodurch er für die älteren Filmgucker vielleicht etwas interessanter wird. Auch der Humor wirkt etwas moderner, sodass der Zuschauer auch hier schallend lachend auf seine Kosten kommt.

Der König der Löwen
© Disney

Ein bildgewaltiges Remake

Regisseur Jon Favreau (“The Jungle Book“, 2016) wollte sich mit seinem Remake nicht zu weit vom Original entfernen, hat sich dabei letztlich aber vielleicht ein bisschen zu wenig getraut. Neben kleineren Neuinterpretationen von Rollen im Machtspiel, ein paar Informationen – wie z. B. Scar zu seiner namensgebenden Narbe gekommen ist (bloß, wie hieß er dann eigentlich davor) und wenigen neuen Witzen, hält sich der Film sehr, sehr nah an die Zeichentrickvorlage. Eine wirklich spannende, neue Szene sei jedoch an dieser Stelle lobend zu erwähnen: Nalas Flucht von Scar. Ohne das allgegenwertige Frauenpower-Thema zu überstrapazieren, haben die Filmemacher hier eine wirklich starke Löwin mit wenigen Einstellungen kreiert, die sich wundervoll in den Film einfügt. Ein paar mehr innovative Ansätze hätten dem Remake auf jeden Fall mehr Ausdruck verliehen und vor allem eine Neuauflage stärker gerechtfertigt. Alles in allem ist aber natürlich auch Favreaus “Der König der Löwen” ein wunderbarer Film, der sich vor allem auf seine einmaligen Bilder stützt. Ob die Kritikpunkte am Soundtrack sich in der deutschen Fassung erübrigen, werde ich nach einer zweiten Sichtung beurteilen können. Und letztlich gilt, zumindest für mich, egal, ob auf Deutsch oder auf Englisch: Nostalgie-Feeling pur.

“Der König der Löwen” ab 17. Juli 2018 im Kino.

Der König der Löwen
© Disney

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Und um diese Nostalgie auch wieder ganz nah bei sich tragen zu können, habe ich wieder vom Verleih zwei tolle Fanpakte zur Verlosung bereitgestellt bekommen. Dieses mal gibt es jeweils ein Handtuch, eine Trinkflasche und ein Notizbuch im “Der König der Löwen”-Design zu gewinnen. Um an der Verlosung teilzunehmen, beantworte einfach folgende Frage, fülle das Formular aus und schicke es ab. Viel Glück 🍀

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Der König der Löwen

4 comments

  1. p
    Pia

    Sehr schöner Beitrag und gut geschrieben!

    Du vergleichst im Beitrag sehr ausführlich den Film mit dem Original.

    Wie würdest du ihn bewerten, wenn man das Original vielleicht nicht kennt ?
    Ich kenne das Original, aber auch viele meiner Freunde kennen ihn zum Beispiel nicht ☺️

    Liebe Grüße Pia von irgendwie nerdig

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    1. Jil

      Liebe Pia,

      erst einmal – vielen Dank 🙂 Ich würde den Film ebenso wie ich letztlich die Popcorntüten vergeben habe – 4 von 5 bewerten. Die Story ist toll, die Optik der absolute Wahnsinn und auch der Soundtrack ist gut, aber eben nicht perfekt. Ein Lied bricht aus dem homogenen Bild heraus und der Gesang ist etwas zu überzogen bei “Can You Feel The Love Tonight”, wodurch das Emotionale etwas verloren geht. Eh kann er tieftraurige Momente nicht zu 100 % transportieren, dafür hat er aber viele lustige Moment!

      Lieben Gruß
      Jil

      PS: Wer kennt denn bitte das Original nicht!!?!?!?!

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    2. d
      Diana

      Toller Artikel habe das Original mit meinem Patenkind angesehen.

      Antworten

  2. L
    Loewenzahn

    Der Film wird allen meinen Erwartungen gerecht und übertrifft diese sogar noch. Die Magie des Originals hat man gut eingefangen. Viele der bekannten Szenen hat man übernommen und manche sinnvoll erweitert. Das hat mir sehr gut gefallen, wenn auch das Erzähltempo an einigen Stellen etwas langsamer hätte sein können. Beim Soundtrack wurde vieles vom Original übernommen, aber auch einige neue Tracks hinzugefügt, die super reinpassen. Optisch hat mir der Film sehr gut gefallen. Landschaft und Tiere sehen sehr glaubhaft, fast schon fotorealistisch aus. Ich hatte Anfangs die Befürchtung, dass eben darunter die Mimik der Figuren leidet. Das hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die deutschen Synchronsprecher haben ebenfalls einen sehr guten Job gemacht. Auch die Songs sind wunderbar ins Deutsche übersetzt worden. Einige finde ich auf deutsch sogar besser! Abschließend kann man sagen, dass der Film eine gelungene Neuverfilmung des Klassikers ist und sich vor dem Original nicht zu verstecken braucht.

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