Reisebericht: Australien - Wilsons Promontory National Park

Reisebericht: 23. Tag Australien – 34km Wilsons Promontory

Mit einer ganzen Mütze Schlaf sind wir bereit für den Wilsons Promontory National Park! Am Tag zuvor haben wir ja bereits einen kleinen Ausflug in den Park gemacht und das erste Mal Wombats erblickt. Heute stehen aber nicht die Tiere, sondern vor allem die Landschaft im Vordergrund. Der Park hat schließlich einiges zu bieten, womit man im ersten Moment wahrscheinlich gar nicht rechnen würde.

Ein Tag im Wilsons Promontory National Park

Mit Frühstück gestärkt geht es direkt los in den Wilsons Promontory National Park. Da uns die Auswahl im General Store gestern nicht überzeugen konnte, wollen wir nachher im General Store in Tidal River für den Abend einkaufen. Hoffentlich, gibt es hier ein bisschen mehr. Doch bevor wir so weit reinfahren, machen wir direkt nach guten zehn Minuten, gleich hinter dem Parkeingang unseren ersten Halt. Der Big Drift ist unser Ziel – ein Tipp unserer Gastgeberin.

Big Drift

Mit dieser Idee scheinen wir am frühen Morgen ganz alleine zu sein. Der Campingplatz (Stockyard Campsite) ist, saisonbedingt, verlassen. Nur ein paar Kängurus und Sumpfwallabies hüpfen über den Parkplatz. Nach wenigen Metern entlang eines Baum überwachsenden Weges sehen wir uns plötzlich einer Wand aus Sand entgegen, die wir hoch klettern müssen. Oben angekommen fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Der Big Drift besteht aus einer Reihe von inländischen Sanddünen. Wäre in die eine Richtung nicht Wasser und in die andere der Park zu sehen, könnte man fast glauben, man befindet sich mitten in der Wüste. Verzaubert laufen wir verschiedene Dünen hoch und malen Zeichen in den Sand, die nach kurzer Zeit durch den Wind schon wieder verschwinden. Unsere Fußstapfen sind zum Glück jedoch tief genug, sodass wir sicher den Weg zurückfinden. Hier kann man nämlich tatsächlich leicht die Orientierung verlieren. Also, Vorsicht!

Drei Strände

Zurück im Auto wollen wir die drei Strände Whisky Bay, Picnic Bay und Squeaky Beach besuchen. Diese sind jeweils zwar nicht weit voneinander entfernt, sodass man sie nacheinander ablaufen kann. Wir entscheiden uns dennoch dazu am Whisky Bay etwas länger zu verweilen und ein wenig – sicheren Schrittes – über die Steine am und im Wasser zu klettern und schauen uns anschließend den Picnic Bay nur noch von oben an. Den Squeaky Beach lassen wir gänzlich aus.

Pause in Tidal River

In Tidal River befindet sich schließlich das Visitor Centre von The Prom. Hat man sich also nicht, so wie aufgefordert, am Parkeingang direkt eine Karte und den Visitor Guide mitgenommen, hat man hier die Möglichkeit sich über die Wanderrouten des Parks zu informieren. Außerdem sollte man sich hier dringend melden, wenn man plant über Nacht im Park zu wandern. In Tidal River befindet sich auch ein großer Campingplatz sowie der General Store, indem man Essen und Souvenirs bekommt. Die Lebensmittelauswahl ist aber leider noch schlechter als bei uns in Yanakie, weshalb wir wieder nichts einkaufen. Ob das so eine gute Idee war? Dafür essen wir etwas im Bistro, es ist schließlich schon mittags. Arne entscheidet sich für die Tagessuppe – eine sehr gute Wahl – und ich für den Hot Dog – eine sehr schlechte Wahl. Satt werden wir dennoch einigermaßen. Die Pennantsittiche vor unserem Fenster beobachtend merken wir, wie uns die Reise so langsam in den Knochen steckt. Als Resultat machen wir wesentlich länger Pause als geplant. Doch das haben wir wirklich gebraucht. Dennoch, als wir zu unserer dritten Tour des Tages antreten wissen wir bereits, dass wir ungefähr auf halben Wege umkehren müssen.

Wilsons Promontory

Little Oberon Bay

Nachdem wir uns noch ein wenig mit den Sittichen und Kookaburras (Lachender Hans) vergnügt haben, starten wir gleich hinter dem Visitor Centre in Richtung Little Oberon Bay. Dieser Weg bereitet uns einen wundervollen Blick über den Wilsons Promontory Marine National Park und führt uns auch immer wieder direkt ans Wasser. Ansonsten geht es entlang Sanddünen, die vor allem von Australischen Teebäumen überwachsen sind. Während unserer Wandertour konnten wir den Geruch der Bäume jedoch nicht richtig zuordnen und mussten uns im Nachhinein klug machen. Der Teebaumgeruch ist hier allgegenwärtig und beruhigend. Schließlich kommen wir gegen 15:00 Uhr am Norman Point an. 300 Meter abseits des Weges hat man hier einen ungestörten Blick auf das wilde Wasser der Meerenge Bass-Straße. Nach diesem Anblick eilen wir noch ein paar Meter weiter, bis wir auf den Little Oberon Bay gucken können, müssen dann aber schnellen Fußes umkehren.

Sonnenuntergang auf dem Mount Oberon

Wir möchten heute nämlich den Sonnenuntergang vom Mount Oberon anschauen. Zurück am Parkplatz denke ich jedoch etwas verloren zu haben, weshalb wir panisch im Visitor Centre fragen, ob es jemand abgegeben hat. Kurze Rede, gar kein Sinn: Es liegt zusammen mit ein paar anderen Dingen, die wir zur letzten Tour nicht mitgenommen haben, im Auto. Neben ein paar Nerven hat uns diese Aktion leider wertvolle Zeit gekostet. Doch irgendwie schaffen wir es noch rechtzeitig auf den Mount Oberon. Zum Glück ist der Weg hoch vom Saddle Car Park startend geteert und daher ganz einfach zu erklimmen. Dem Wind, der hier oben fast immer zu wüten scheint, trotzend, machen wir es uns kurz nach 17:00 Uhr auf dem Gipfel des Berges bequem. Bereit für einen 360 Grad Ausblick über den Park und einen wundervollen Sonnenuntergang. Doch plötzlich dreht sich das Wetter komplett. Die Wolken rasen auf uns zu und der Regen bricht los. Etwas panisch, greifen wir unsere Sachen und klettern den Gipfel hinunter. Und es wird immer schlimmer und schlimmer. Joggend versuchen wir uns vor dem Sturm zu retten. Inzwischen prasselt der Regen nur noch auf uns herab und die ersten Blitze zucken durch den Himmel. Es ist stockfinster und mein Knie macht wieder Probleme. Nach endlosen Minuten sitzen wir endlich wieder im Auto. Horror! Wirklich, Horror! Wir, vor allem ich, brauchen einige Minuten um wieder Fassung und Kraft zu sammeln. Aber es hat ja alles keinen Sinn, wir müssen dringend zurück nach Yanakie.

Blick vom Mount Oberon

Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende

Mit viel Vorsichtig navigiere ich uns durch den Wilsons Promontory National Park nach Hause. Und es scheint fast so, als würde uns Australien noch ein paar Abschiedsgeschenke machen wollen. Denn auf dem Rückweg sehen wir nochmals fast all unsere lieb gewonnenen australischen Tiere und sogar einige, die wir noch gar nicht gesehen haben, wie ein Rothirsch und ein Eulenschwalm!? Nagelt mich nicht, auf die genaue Bezeichnung fest, aber es waren definitiv ein Hirsch und eine Eule, die wir gesehen haben. Verrückt. Mindestens so dankbar wie für diese Begegnungen, sind wir auch unserer Gastgeberin Tara. Wenn ihr aufmerksam gelesen habt, wisst ihr, dass heute nichts eingekauft haben. Und da, sich unsere Reise dem Ende neigt, sind unsere Vorräte fast gänzlich aufgebraucht. Der Supermarkt hat bereits geschlossen und die nächste Essensgelegenheit wäre weitere 25 Minuten entfernt. Aber ich kann einfach nicht mehr. Schließlich sind wir ergänzend zum Nahtoderlebnis (ja, etwas übertrieben aber es fühlte sich schon etwas so an) über 34 Kilometer heute gelaufen. Tara ist aber so unfassbar lieb und stellt uns eine Tüte Lebensmitteln zusammenzustellen aus ihrem eignen Vorrat zusammen. Und dafür möchte sie nicht mal ein wenig Geld bekommen… Es gibt hier wirklich tolle Menschen. Danke! Während ich mich in die heiße Badewanne lege, kocht Arne also für uns ein leckeres Abendessen. So findet dieser aufregende Tag noch ein gutes Ende. Satt und völlig erschöpft fallen wir schließlich alsbald ins Bett.

Der Sturm wütet weiter

Doch in der Nacht wache ich noch mehrfach auf. Der Sturm hat sich noch nicht gelegt, sodass eine wahnsinnige Geräuschkulisse herrscht und der ein oder andere Krach dafür spricht, dass etwas durch die Gegend gewirbelt wird. Ein Schaden am Auto wäre jetzt aber das letzte, was wir gebrauchen können. Unruhig stehe ich sogar noch einmal auf und versichere mich, das alles in Ordnung ist. Der Blick nach draußen verrät: Alles steht unbeschädigt an seinem Platz. Mit dieser Sicherheit finde schließlich auch ich Ruhe und falle völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf.

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