Filmkritik: Nightlife

Filmkritik: “Nightlife”

Für Milo soll in “Nightlife” endgültig Schluss sein mit dem Nachtleben. Eine eigene Bar besitzen, Chef sein, andere Leute für einen die Nachtschichten schieben lassen und selbst eine Familie gründen. Eine gute Idee. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das nötige Startkapital – und damit ist in der Großstadt-Komödie von Simon Verhoeven praktisch vorprogrammiert. Eine Geschichte voll Action, Liebe und verrückten Charakteren!

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung von “Nightlife”

Der Berliner Barkeeper Milo und seine Traumfrau Sunny begegnen sich auf schicksalhafte Weise im Nachtleben und verabreden sich auf ein Date. Alles scheint perfekt zu laufen, doch als Milos chaotischer Freund Renzo auftaucht, eskaliert der romantische Abend zu einer völlig verrückten Jagd durch das Berliner Nachtleben. Wenn Milo und Sunny dieses Date überstehen, kann ihre Liebe echt nichts mehr erschüttern…

Nightlife ab 13.02.2020 im Kino

Mein Fazit

Jeden Abend feiern, jeden Abend trinken, jeden Abend flirten und im besten Fall jeden morgen neben einer anderen Frau aufwachen. Ein wahr gewordener Männertraum! Oder etwa nicht? Milo ist in der Geschichte von Erfolgsregisseur und -drehbuchator Simon Verhoeven (“Männerherzen”, 2009) das Nachtleben so langsam aber sicher satt. Er wünscht sich eine Frau, Kinder und ein geregeltes Leben im Tageslicht. Wenn man mit Menschen aus dem echten Nachtleben spricht, ist ihnen dieser Wunsch häufig alles andere als fremd. Und so greift Verhoeven schon wie mit “Willkommen bei den Hartmanns” (2016), bei der er sich komödiantischen mit der Flüchtlingskrise auseinandersetzte, ein Thema auf, das viele Menschen bewegt und inszeniert es in der wohl wildesten Stadt Deutschlands – Berlin.

Großstadt-Komödie

Dabei setzt er aber nicht nur auf wilde Partyszenen, sondern auch auf ganz viel Romantik und eine gehörige Portion Action. Etwas, was man zunächst vielleicht gar nicht so vermuten würde, aber was wäre wohl eine Nightlife-Geschichte ohne einen Drogenskandal. Ganz ehrlich, hätte ich darauf zunächst verzichten können, doch letztlich bildet sich rund um das Missgeschick von Milos Mitbewohner Renzo eine wirklich unterhaltsame, turbulente und vor allem in sich schlüssige Geschichte. Wer jetzt jedoch denkt, dass sich alles komplett in der Hauptstadt direkt abspielt, der ist falsch gewickelt. Schließlich scheint der Elektro-Mietwagen eine erstaunlich hohe Reichweite zu haben…

Nightlife
© 2019 Warner Bros. Ent., Frédéric Batier

Charaktere zum Verlieben

Die größte Stärke von “Nightlife” ist jedoch nicht seine Geschichte, sondern seine wundervoll verplanten, liebenswerten und völlig überdrehten Charaktere. Dabei bleibt jedoch nicht aus, dass einzelne Figuren wie etwa Heinz Kempa, der von Nicholas Ofczarek (“Zauberer”, 2018) verkörpert wird, etwas zu überzogen sind. Der gebürtige Österreicher steht zwischen knallhartem Drogenboss und eingeschüchterten Ehemann, der im besten Dialekt sein aufgebrachtes Schnurzelchen zu beruhigen versucht und dadurch doch eher wie eine Karikatur wirkt, als dass man ihn ernst nehmen könnte. Dagegen stehen aber Figuren wie Bankberater Heiko (Leon Ullrich; “Nur Gott kann mich richten”, 2017) und seine Kompagnons oder auch von den Haupfiguren vor allem Renzo (Frederick Lau; “Simpel“, 2017), die man einfach für ihre Verschrobenheit lieb haben muss!

Nightlife
© 2019 Warner Bros. Ent., Frédéric Batier

Ein Date wider Willen

Doch auch mit Milo (Elyas M’Barek; “Dieses bescheuerte Herz“, 2017) und Sunny (Palina Rojinski; “Traumfrauen”, 2015) wurden zwei interessante Charaktere geschaffen. Während Milo mit seinem Einsatz für seinen besten Freund und seinen eisernen Willen an dem Date mit Sunny festzuhalten beeindruckt, strahlt Sunny eine wirklich bewundernswerte Ruhe und Kraft aus. Zwar gibt es Momente, die stilistisch irgendwie unpassend romantisch gestaltet worden sind oder andere, die dann doch etwas zu unglaubwürdig erscheinen – aber insgesamt funktionieren sie zusammen mit den Charakteren und die Chemie zwischen M’Barek und Rojinski stimmt.

Nightlife
© 2019 Warner Bros. Ent., Frédéric Batier

Solides Popcorn-Kino

Wer für “Nighltlife” ins Kino geht, der macht sicherlich nichts falsch. Mit einer Spielzeit von knappen zwei Stunden sorgt er für ein gelungenes Abendprogramm mit Freunden oder einem netten Date an der Seite. Insgesamt hat Verhoeven einen lustig-romantischen Film mit Actioncharakter geschaffen, der vor allem durch seine liebenswerten Charaktere überzeugt. Nichtsdestotrotz oder auch gerade deshalb ist der “Nightlife” dadurch auch an vielen Stellen und insbesondere insgesamt zwar sehr vorhersehbar, doch gelingt es ihm auch immer wieder einmal zu überraschen. Eins ist jedoch sicher: Ihr werdet vermutlich noch nie zuvor so häufig das Wort Nightlife bzw. Nachtleben gehört haben, wie in diesen zwei Stunden ;-).

“Nightlife” ab 13. Februar 2020 im Kino.

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