Filmkritik: Der Leuchtturm

Filmkritik: “Der Leuchtturm”

In “Der Leuchtturm” kümmern sich zwei Männer pflichtbewusst um die Instandhaltung der Leuchtturmanlage auf einer winzigen Insel vor der Küste von Neuengland. Was soll da schon schiefgehen?

4.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung von “Der Leuchtturm”

Auf einer abgelegenen und mysteriösen Insel im New England Ende des 19. Jahrhunderts versuchen die Leuchtturmwärter Wake (Willem Dafoe) und Winslow (Robert Pattinson) mit der extremen Abgeschiedenheit zurecht zu kommen. Als ein herannahender Sturm sie gänzlich von der Zivilisation abschneidet und seltsame Erscheinungen aus dem Nebel auftauchen, eskaliert die Situation zwischen den beiden extrem unterschiedlichen Kollegen und alles steuert auf eine Katastrophe zu.

Der Leuchtturm

Mein Fazit

Eine zunächst völlig harmlose Szenerie: Zwei Männer, ein Leuchtturm, eine Insel, vier Wochen Arbeit und dann geht es zurück ans Festland. Was soll da schon groß schief gehen? Wohl so ziemlich alles. “Der Leuchtturm” zeigt mit seinem ungewöhnlichen Stil den Zerfall des menschlichen Geistes – und das schonungslos brutal.

Das Leben auf der “Insel”

Dabei ist die Geschichte eigentlich alles andere Komplex. Zwei Männer, die sich zuvor noch nie gesehen haben, werden auf einer kleinen Insel, die nicht mehr als ein hässlich, grauer Felsvorsprung ist, eingesperrt. Denn obwohl die Männer sich natürlich viel an der frischen Luft bewegen, sind sie auf dieser Insel gefangen. Sie haben nur sich, ihre kleine Hütte und ihren Leuchtturm. Hinzukommt das mehr als angespannte Verhältnis zwischen diesen Fremden, was unter anderem an ihrem klaren Hörigkeitsverhältnis liegt. Schließlich stellt der alteingesessene Leuchtturmwärter Wake direkt bei Ankunft klar: “Das Licht gehört mir!” Der Neuling hingegen, muss sich als sein Gehilfe um alles andere kümmern: Den Boden schrubben, bis ihm die Hände bluten, den Leuchtturm in schwindelerregender Höhe neu anstreichen, das Unrat beseitigen und vor allem seine Gesellschaft ertragen. Dabei guckt der Wärter koboldartig, argwöhnisch auf den ehemaligen Holzfäller herab und beglückt ihn Tag für Tag, Nacht für Nacht mit seinem viel zu salzigen Trockenfisch, seinen ständigen Fürzen und wildem Seemannsgarn.

Der Leuchtturm
© 2020 Universal Pictures Germany. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Film in ungewöhnlicher Form

Das groteske Werk von Robert Eggers (“The With”, 2015) besticht durch seinen tief eindringenden Klang. Der Soundtrack besteht aus dem ständigen Heulen der Nebelhörner, den peitschenden Wellen, den krächzenden Schreien der Möwen und dem aufkommenden Sturm. Das Grau in Grau, das Spiel mit Licht und Schatten transportiert genauso wie das ungewöhnlich 19.1:1-Format auch auf den Zuschauer ein Gefühl der Enge. Stilistisch allein ist “Der Leuchtturm” in Zeiten des Breitbandformates damit bereits ein Meisterwerk, dem es gelingt das Publikum geradezu halluzinatorisch in seinen Bann zu ziehen.

Der Leuchtturm
© 2020 Universal Pictures Germany. Alle Rechte vorbehalten.

Zwischen Wahnsinn & Irrsinn

Doch nicht nur damit setzt sich “Der Leuchtturm” von der hiesigen Filmlandschaft ab. Der Horrorfantasyfilm verschönt nichts, sondern setzt auf eine unverblümte Darstellung der Männer und ihren geistigen Zerfall. Begonnen bei dem ungenierten Furzen, über das wahnsinnige Töten einer Möwe bis hin zu der wohl brutalsten Selbstbefriedigungsszene, die die Filmlandschaft wohl je gesehen hat. Hinzukommt die Komponente “Alkohol”, die für ordentliche Stimmungsschwankungen bei den zwei Männern sorgt und die sonst so distanzierten Männern – zumindest kurzzeitig – zusammenschweißt.

Der Leuchtturm
© 2020 Universal Pictures Germany. Alle Rechte vorbehalten.

Total Banane & gleichzeitig faszinierend

“Der Leuchtturm” ist in vielerlei Hinsicht faszinierend, halluzinierend und einnehmend. Der Zuschauer wird durch die vielen Stilelemente geradezu an die Geschichte gefesselt. Dabei sei aber nicht die großartige schauspielerische Leistung der zwei Hauptdarsteller, die bis auf kurze Einlendungen überhaupt die einzigen Darsteller im ganzen Drama sind, zu vergessen. Insbesondere Robert Pattinson (“Good Time“, 2017) hat hier wieder einmal bewiesen, dass in ihm mehr drin steckt – kritische Formulierung für alle, die den Film bereits gesehen haben 😏- als der glitzernde Vampir aus der “Twilight Saga”. Aber auch Willem Dafoe (“Aquaman“, 2018) überzeugt in seiner Rolle als irrer Seemann ausnahmslos. Insgesamt lässt “Der Leuchtturm” seinen Zuschauer mit verschiedenen Emotionen zurück. Auf der einen Seite wirkt er, wie ich es gerne formuliere, “völlig Banane” und auf der anderen Seite beeindruckt er einen auch. Eine sehr interessante, sehenswerte Kombination.

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2 comments

  1. Anna Möller

    Super interessant! Danke für den Tipp. Ich dachte zunächst es sei die Verfilmung eines Buches, welches ich schon lange suche, aber so ist auch gut 🙂

    Antworten

    1. Jil

      Gerne doch 🙂 Meinst Du Edward Hoppers “Lighthouse”? Der Film soll wohl daran erinnern (habe das Buch nicht gelesen) aber nicht darauf beruhen.

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