Filmkritik: The Farewell

Filmkritik: “The Farewell”

“The Farewell” von Lulu Wang gehört in jede gute Filmsammlung! Emotional, herzerwärmend, lustig und fesselnd: Die Geschichte einer wahren Lüge.

5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung von “The Farewell”

Als die in New York aufgewachsene Billi (Awkwafina) von ihren Eltern erfährt, dass ihre geliebte Großmutter Nai Nai (Shuzhen Zhao) in China nur noch kurz zu leben hat, steht ihr Leben Kopf. Die Familie beschließt, Nai Nai im Ungewissen zu lassen und ihr die tödliche Krankheit zu verschweigen. Um die plötzliche Anwesenheit der ganzen Familie plausibel zu erklären, wird kurzerhand eine Spontan-Hochzeit organisiert. Während Billi versucht, die Lüge aufrecht zu erhalten, stößt sie auf Dinge, die ihr eigenes Leben verändern. Es ist die Chance, sowohl das Land ihrer Eltern als auch den wundersamen Geist ihrer Großmutter wieder zu entdecken.

The Farewell Blu-ray

Mein Fazit

Witzig, emotional, echt. “The Farewell” beruht auf einer wahren Begebenheit oder noch besser – Lüge. In dem Drama geht es um eine über weite Grenzen getrennte Familie, die nach 25 Jahren erstmals wieder gesammelt aufeinandertrifft. Dabei ist der Anlass alles andere als erfreulich. Nai Nai, das Bindeglied der Familie, ist schwer an Krebs erkrankt. Ihre Lebenserwartung: Nicht mehr als drei Monate. Doch davon soll die alte Dame nichts erfahren. Wie kann man also die Familie unauffällig zusammenkommen lassen? Eine Hochzeit soll herhalten. Dass das glückliche Brautpaar sich erst seit drei Monaten datet, wird der Hochzeitsgesellschaft aber besser verschwiegen…

Clash der Kulturen

“The Farewell” zeigt mit viel Charme und dem notwendigen Fingerspitzengefühl auf was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen. Schließlich lebt die inzwischen 31-jährige Billi mit ihren Eltern bereits seit ihrem siebten Lebensjahr in den USA. Ihr Mandarin ist alles andere als perfekt und sie ist schon lange den amerikanischen Lifestyle gewohnt. Doch mit ihrer Heimkehr in ihr altes Leben, werden ihr auch wieder alte Werte bewusst. Sie erinnert sich an ihre Kindheit in China und beginnt ihr Leben in ihrer neuen Heimat zu hinterfragen. Mehr noch entwickelt sich ein Konflikt zwischen den Kulturen und ihren Vertretern. Beginnend bei einer harmlosen Diskussion beim Abendessen, bis hin zu der alles entscheidenden Frage: Sollen sie Nai Nai die Wahrheit über ihre Krankheit erzählen? Schließlich wird in China der einzelne vor seinem eigenen Schicksal geschützt und stattdessen die Bürde von der Familie getragen. Für die Wahlamerikanerin unvorstellbar. Doch was ist richtig, was ist falsch?

The Farewell
© 2020 DCM

Distanziert, herzlich, emotional

Obwohl es zwischen den lang getrennten Familienmitgliedern eine spürbare Distanz gibt, geben sie insgesamt eine wirklich herzliche Familie ab, die letztlich nur das beste für ihre geliebte Nai Nai möchte. Und warum alle ihre Großmutter im Herzen tragen, wird auch für den Zuschauer schnell klar. Die ältere Dame ist genau so, wie man sich eine Großmutter vorstellt: Energisch, besorgt, liebevoll, ehrlich und trotz ihrer Krankheit – von der sie ja nichts weiß – strotzt sie nur so vor Energie. Obwohl sie ihre Familie so selten beisammen hat, ihr anderer Sohn hat schließlich auch China mit seiner Familie vor gut 20 Jahren  die Rücken gekehrt und ist nach Japan gezogen, macht sie ihnen daraus keinen Vorwurf. Sie freut sich stattdessen einfach nur über ihre Gesellschaft und setzt alles daran, ihrem Enkel eine schöne Hochzeit zu bereiten. Dass Billi jedoch ihr eigentliches Lieblingsenkelkind ist, daraus macht sie keinen Hehl.

The Farewell
© 2020 DCM

Herrlich witzig

Darüber hinaus ist besonders Nai Nai mit ihrem herzlich, ehrlichem Wesen auch furchtbar amüsant. Sei es beim Versuch ihre Billi endlich auch unter die Haube zu bekommen oder wenn sie leicht abfällig über ihren neuen Lebensgefährten redet. Diese Frau nimmt keinen Blatt vor dem Mund. Laut in die Gegend herumzuschreien ist peinlich? Nein. Nai Nai scheint nichts unangenehm zu sein. Eine Eigenschaft, warum auch der Zuschauer sich in diese tolle Frau schnell verliebt. Aber auch sonst hat “The Farewell” wirklich viele erheiternde Momente, die dem Drama eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Gleichzeitig spielt der Film von Lulu Wang hier häufig ebenfalls mit den kulturellen Unterschieden von Ost und West oder bringt dem Zuschauer vielleicht etwas suspekte Dinge näher, die die chinesische Kultur ausmachen. Professionelle “Cryer” bei einer Beerdigung? Pflicht! Denn je mehr getrauert und geweint wird, desto näher stand sich die Familie. Ist doch klar!

The Farewell
© 2020 DCM

Deutsche Übersetzung

Ich halte mich im Vergleich zu früher inzwischen ja weitestgehend zurück die deutsche Übersetzung von Filmen zu verteufeln, aber in diesem Fall muss ich mal wieder etwas dazu sagen. Die Blu-ray genauso wie die DVD beinhalten zwei Tonspuren: Deutsch sowie Mandarin/Englisch. Ihr merkt schon, bei der deutschen Tonspur fehlt etwas: Das Mandarin. Nachdem ich also den Film auf Deutsch angefangen habe, habe ich schnell zu der Mandarin/Englisch-Spur gewechselt. Ich habe immer mal wieder in die deutsche reingehört, um zu überprüfen, ob sowohl das Mandarin als auch das Englischs ins Deutsche übersetzt wurde. Da ich dies wie gesagt nur auszugsweise getan habe, kann ich es nicht zu 100 % bestätigen. Jedoch scheint es so, dass tatsächlich alle unterschiedlichen Sprachen gleichsam ins Deutsche übersetzt wurden. Spannend jedoch, dass ein englisches Zitat im Original belassen wurde. In der Konsequenz geht aber definitiv das Hindernis der Sprachbarriere, die sich auch hin und wieder als Vorteil für die agierenden Personen herausstellt, verloren. Weiter macht das Chinesisch auch den Charme dieses Films aus, weshalb ich dringend dafür plädiere die Mandarin/Englisch-Spur auszuwählen. Wer nicht nur mit dem Mandarin, das Englisch untertitelt wird, sondern auch mit dem Englischen ein Verständnisproblem hat, der kann sich natürlich deutsche Untertitel einblenden lassen.

The Farewell
© 2020 DCM

Eine wundervolle Mischung

“The Farewell” ist für mich eine wirklich perfekte Mischung aus Humor, Emotionen und einer aufregenden Geschichte – und das, obwohl ja eigentlich gar nicht so viel passiert. Den Darstellern – allen voran Awkwafina (“Jumanji – The Next Level”, 2019) als Billi und Shuzhen Zhao als Nai Nai – gelingt es sich direkt in das Herz des Zuschauers zu spielen, weshalb dieser unmittelbar in das Schicksal der Familie hineingezogen wird. Die Kombination dieser doch etwas schrägen Familie macht das Bild perfekt: Von den zwei Söhnen (Tzi Ma; Yongbo Jiang), über Nai Nais Schwester (Hong Lu), die etwas verhaltende Mutter (Diana Lin) von Billi bis hin zum Enkel Hao Hao (Han Chen) und seiner Zukünftigen Aiko (Aoi Mizuhara), die kein Wort Mandarin spricht, ist die Besetzung makellos. Ein wundervoller Film, der in jede gute Sammlung gehört!

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